Bleibt #MentallyFit 

Dr. Claudia Reardon ist Sportpsychiaterin. Sie arbeitet an der Universität Wisconsin mit Sportlern aus verschiedenen Disziplinen und ist Mitglied der IOC Mental Health Working Group. Mit Athlete365 hat sie darüber gesprochen, wie Athleten weltweit mit der aktuellen Situation rund um das Coronavirus umgehen können. 

  • Dies ist für alle eine sehr schwierige Zeit. Es ist normal, dass ihr als Sportler und Sportlerinnen eine gewisse Angst verspürt. 
  • Die neuen Termine für die Olympischen Spiele stehen fest, jetzt solltet ihr euch auf das konzentrieren, was ihr tatsächlich beeinflussen könnt. 
  • Das Wichtigste für euch selbst und für andere ist, nicht in Negativität zu verfallen. 

Das klingt vielleicht etwas heftig, aber ich würde sagen, was manche Athleten gerade durchmachen, ist Trauer. Es geht immerhin um den Verlust der Olympischen Spiele und anderer großer Sportwettkämpfe. Auch wenn der Verlust nur vorübergehend ist, macht ihn das nicht weniger intensiv.  

Ihr habt einen Verlust erlitten, also sucht euch Unterstützung 

Bei jeder Art von Trauer ist Reden hilfreich. Sprecht mit einem vertrauenswürdigen Freund, Familienmitglied oder Mentor. Das kann therapeutischer sein als ihr denkt. Einigen hilft es vielleicht, die Gefühle aufzuschreiben oder über Kunst, Musik oder Gebete auszudrücken. 

Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, in der wir Technologie und virtuelle Möglichkeiten haben, um mit Menschen in Verbindung zu bleiben. Menschen brauchen andere Menschen, es ist wichtig, Kontakte zu pflegen. Ihr könnt über Video virtuelle Kaffeepausen oder sogar Trainingseinheiten organisieren, um eure Mitsportler zu motivieren! 

Kümmert euch um das, worauf ihr Einfluss habt 

Dieser gängige Ratschlag bedeutet nicht, dass ihr die Lage unterschätzen sollt, sondern dass ihr euch am besten auf das konzentriert, was ihr tatsächlich in der Hand habt. Ihr entscheidet, ob ihr morgens aufsteht und ob ihr zu Hause trainiert. Die Alternative wäre, im Bett zu bleiben und sich von der momentanen Unsicherheit unterkriegen zu lassen – sicher keine gute Lösung. 

Denkt daran, dass gerade ihr als Athleten viele starke Eigenschaften besitzt, die euch helfen, mit dieser Situation umzugehen. Ihr könnt nicht kontrollieren oder vorhersagen, wie das Wetter beim Wettkampf ausfällt, wie stark euer Gegner ist oder wie die Fans oder die Medien reagieren. Wenn ihr mit dieser Art von Unsicherheit umgehen könnt, habt ihr auch die geistige Flexibilität, euch den neuen Herausforderungen zu stellen. 

Trainiert eure Zuversicht 

Die Zuversicht zu bewahren, ist ganz wichtig. Entscheidend ist aber, dass ihr keinen künstlichen Optimismus verbreitet oder so tut, als ob alles in Ordnung ist und ihr gar keine Angst habt. Es geht nicht darum, sich etwas vorzumachen. Angemessener ist ein realistischer Umgang mit der Situation: „Ich schaue voraus, und es kann stressig oder beängstigend sein, aber das ist okay.“ 

Für eine vorausschauende Orientierung sind konkrete Ziele und Zeitpläne hilfreich. Fragt euch, wo ihr zum Zeitpunkt des nächsten großen Wettkampfs stehen wollt und was ihr bis dahin schaffen müsst. Der Zeitplan für diese Schritte fällt möglicherweise anders aus als sonst, ein zielorientierter, positiver Fokus ist aber sehr wichtig. Als Athleten seid ihr daran gewöhnt, hart zu arbeiten, um Ziele zu erreichen, und ihr wisst, wie motivierend Ziele sein können. 

Paul Wylleman, Sportpsychologe des niederländischen Teams, hat sechs nützliche Tipps für euch.