Ist der Schlaf von Athleten anders?  

Ausreichend hochwertigen Schlaf zu bekommen, ist für alle wichtig, aber gibt es Aspekte einer erholsamen Nachtruhe, die speziell für Sie als Athletinnen und Athleten gelten? Schlafspezialistin Iuliana Hartescu von der Loughborough University beschäftigt sich mit den neuesten Forschungsergebnissen zum Thema Schlaf für Hochleistungssportler. Hier beantwortet sie einige der wichtigsten Fragen dazu, wie Sport und Schlaf zusammenhängen. 

  • Es gibt verschiedene Schlafaspekte, die für Sie als Spitzensportler besonders relevant sind. 
  • Schlafexpertin Iuliana Hartescu verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Spitzensport und Schlaf. 
  • An dieser Stelle beleuchtet sie einige der wichtigsten Aspekte des Schlafs und Sportlerdaseins und sie erklärt, warum ausreichend Ruhe für Leistung und Wohlbefinden entscheidend ist.  

Das Schlafen ist aufgrund der Evolution ein integraler Bestandteil der menschlichen Existenz. Der Schlaf dient der Energieeinsparung und gibt uns einen Zeitraum, in dem wir Energie sparen, die andernfalls im Wachzustand verbraucht würde. Er dient auch dem Zweck der Hirnregeneration und gibt unserem Gehirn Zeit, „offline“ zu gehen und sich zu erholen. Schlaf ist auch für die Immun- und Stoffwechselregulation wichtig. Für Athleten sind ausreichender Schlaf und eine gute Schlafqualität für eine optimale Regulierung aller Systeme im Körper unerlässlich. 

Benötigen Athleten mehr Schlaf als andere Menschen? 
Der Schlaf ist von Person zu Person unterschiedlich und wir alle haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse, es gibt jedoch nicht genügend Forschungsergebnisse, um Athleten als eine Gruppe mit anderen Schlafbedürfnissen zu definieren. Die bisherige Forschung zeigt im Wesentlichen, dass Athleten in der Regel die gleichen Anforderungen haben wie die normale Bevölkerung in ihrer Altersgruppe.  

Warum ist Schlaf für Athleten so wichtig? 
In Bezug auf die Leistung haben Schlafstörungen und Schlafverlust keinen großen Einfluss auf die anaerobe Leistung, da Athleten bei kurzem Schlaf im Vergleich zu sonst eine sehr ähnliche Leistung erbringen. Aber das psychische Wohlbefinden von Athleten und ihre Motivation scheint hiervon betroffen zu sein. Der Schlafverlust kann beeinflussen, welches Maß an Anstrengung wir für erforderlich halten und wie viel Anstrengung erforderlich ist, um Ergebnisse zu verbessern. Darüber hinaus scheinen die Entscheidungsfindung und das Abrufen von Fähigkeiten beeinträchtigt zu sein, da bei schnellen Entscheidungen mehr Fehler und Verzögerungen auftreten. Darüber hinaus wird ggf. auf ansonsten unwesentliche oder neutrale Ereignisse emotionaler reagiert, und diese Reaktionen sind zumeist negativ. 

Leiden Athleten unverhältnismäßig unter Schlafstörungen? 
Immer mehr Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Auftreten von Schlafstörungen unter Athleten recht hoch ist, wobei die Schätzungen für die Prävalenz von Schlaflosigkeit von 30 bis 70 Prozent reichen. Entscheidend ist, dass sich diese Raten unterscheiden, je nachdem, ob Athleten in Einzel- oder Mannschaftssportarten betrachtet werden. Es gibt auch auffällige Unterschiede in der Schlafqualität, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Schlaf gemessen wird – in Trainings-, in Wettkampf- oder in Ruhephasen.  

Immer mehr Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Auftreten von Schlafstörungen unter Athleten recht hoch ist,

Während des Wettkampfes – vor allem in den Nächten vor dem Wettkampf – während des Reises und während des Trainings kann es zu ganz speziellen Herausforderungen kommen und das Auftreten von Schlafstörungen höher liegen. Es scheint also signifikante Zeiträume im Leben von Athletinnen und Athleten zu geben, in denen das Risiko von Schlafproblemen am höchsten ist, und wiederum andere Zeiträume mit geringer Prävalenz, in denen sie nicht im Wettkampf oder Training sind. Das ist wichtig, da dies bedeutet, dass pauschale Aussagen über Athleten mit Vorsicht zu treffen sind.  

Was eine als Erkrankung diagnostizierte Schlaflosigkeit im Vergleich zu einer einfachen Schlafstörung anbelangt, sind die uns vorliegenden Prävalenzraten unter Athletinnen und Athleten sehr einschränkt. Es gibt nur eine Handvoll Studien, die sich eingehend hiermit beschäftigt haben, und die Raten mit 3 bis 6 Prozent ähneln denen der allgemeinen Bevölkerung. 

Warum könnte ein gestörter Schlaf für Athleten besonders relevant sein? 
Athletinnen und Athleten berichten häufig davon, dass sie schlecht einschlafen können. Dies hängt mit einem kognitiven Erregungszustand oder einem ineffektiven Herunterfahren des Geistes vor dem Schlafengehen zusammen. Der Schlaf ist oft aufgrund der Reise- oder Trainingsplanung eingeschränkt. Wenn man beispielsweise zu einem Wettkampf reist, muss man oft zu einer für die innere Uhr ungeeigneten Zeit schlafen. Das Wissen um die Möglichkeit, wann Schlaf zu bekommen ist, um die innere Uhr mit der natürlichen Ortszeit zu synchronisieren, ist überaus vorteilhaft und sollte im Idealfall vor der Reise eingeplant werden. 

Mir ist bekannt, dass Nickerchen oder das Schlafen zur Tageszeit im Spitzensport weit verbreitet sind. Dies wird sowohl zur Leistungssteigerung als auch zur Kompensation schlechten Nachtschlafs genutzt. An diesem Thema wird derzeit eingehender geforscht, damit klar wird, ob diese Strategie tatsächlich effektiv ist, um Schlafstörungen oder Schlafmangel zu bewältigen. 

Leiden Sie an Schlafstörungen? Den praktischen und einfachen Leitfaden von Schlafexperte Professor Jim Horne, der Ihnen dabei hilft, besser zu schlafen, können Sie sich hier durchlesen.