Bekämpfung der COVID-19-Angst  

Dr. Carla Edwards ist Sportpsychiaterin und High-Performance-Beraterin für die psychische Gesundheit von Sportlern in Kanada. Hier spricht sie verschiedene Methoden an, wie ihr mit euren Ängsten im Zusammenhang mit COVID-19 umgehen könnt.  

  • Dr. Carla Edwards hat kanadische Sportler unterstützt, die an psychischen Problemen im Zusammenhang mit COVID-19 leiden.  
  • Gemeinsam mit der Sportmedizinerin Dr. Jane Thornton hat sie eine vielfach gelobte Ressource für Athleten erstellt, die sich mit ihrer neuen Realität auseinandersetzen. 
  • Hier erklärt sie, wie Kreativität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit die Schlüssel sind, um durch diese unsicheren Zeiten zu kommen. 

Angst kann für sich allein als Symptom existieren, ohne eine Störung zu sein, und ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass es unter den gegenwärtigen Umständen für uns alle ganz normal ist, ein bisschen Angst zu empfinden. 

Diese Angst wird uns dazu bringen, jetzt sozial verantwortlicher zu sein und gute Entscheidungen zu treffen. Doch für diejenigen, die unter einer unterschwelligen Angststörung leiden und schon vor der Pandemie Schlaf- oder Konzentrationsstörungen hatten, oder sich allgemein um Leben und Gesundheit sorgen, kann sich die jetzige Situation überwältigend anfühlen und der Alltag kann sich schwierig gestalten.  

Diejenigen unter euch, die im Alltag Zeitpläne, Stabilität und Vorhersehbarkeit brauchen, können alle Bewältigungsmechanismen und damit auch ihren Halt verlieren. Daher braucht ihr gerade jetzt Unterstützung, damit ihr euch neue Zeitpläne erstellt, eure Perspektive ändert und alles etwas flexibler angeht, um mit der Situation besser umgehen zu können.  

Überlappende Symptome 

Viele von euch sind von Reisen rund um den Globus nach Hause zurückgekehrt – und ihr wart somit möglicherweise dem COVID-19-Virus ausgesetzt. Vielleicht habt ihr nun verstärkt Angst vor einer möglichen Infektion. Diese verstärkte Angst kann auch einige der Symptome von COVID-19 replizieren oder simulieren.  

Einige der überlappenden Symptome, die verwirrend sein können, sind Kurzatmigkeit, ein enges Gefühl in der Brust und ein Gefühl von allgemeinem Unwohlsein. Manchmal können durch Angstzustände verursachte Muskelverspannungen zu generalisierten Myalgien oder Schmerzen führen, die auch ein Symptom für COVID-19 sind. Angst und kreisende Gedanken können für Schlaflosigkeit sorgen. Wenn ihr schlecht schlaft, fühlt ihr euch am nächsten Tag lethargisch und müde, was ein weiteres Symptom von COVID-19 ist.  

Die Symptome können also ein paar Tage lang ähnlich aussehen, doch es gibt ein paar einfache Techniken, um herauszufinden, warum ihr euch nicht wohlfühlt. Bei COVID-19 fühlt ihr euch die meiste Zeit unwohl, und nachts wird es meist noch schlimmer. Angststörungen könnt ihr dagegen mit Atemübungen, Entspannung, Ablenkung und einem strukturierten Alltag in den Griff bekommen.

Warum Schlaf so wichtig ist 

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Problemen, die ich bei Athleten gesehen habe, und sie sind in der aktuellen Situation keinesfalls überraschend. Man könnte meinen, dass Schlafstörungen zum Großteil auf Angst und Sorgen zurückzuführen sind, doch meiner Meinung nach ist es die Änderung des Zeitplans. Ihr seid es gewohnt, nach einem strikten Zeitplan zu leben. Aufwachen, trainieren, essen, schlafen, all das war recht kontrolliert. Doch plötzlich hängt ihr in der Luft. Ihr seid auf euch selbst gestellt, und müsst euch einen neuen Tagesplan zusammenstellen.  

Viele der Empfehlungen der verschiedenen Mitglieder des Integrierten Support-Teams (IST) und Personen, die sich damit beschäftigen, konzentrieren sich deshalb auf die Wichtigkeit eines Zeitplans, in dem selbst die Schlafzeit mit eingeplant ist. Diejenigen, die besser schlafen, kommen besser durch den Tag, sie fühlen sich ausgeruht und gestärkt und haben einfach eine ausgewogenere Perspektive auf das, was wir in den nächsten Monaten erleben werden.  

Seid kreativ und flexibel 

Wir müssen uns alle auf diese neue Situation einstellen und die Trainer müssen sich noch überlegen wie sie jetzt weiter vorgehen können. Kreativität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind drei Qualitäten, die für uns alle wirklich wichtig sein werden, um dies zu überstehen, insbesondere für diejenigen unter euch, die versuchen, fit und aktiv zu bleiben und einen neuen Zeitplan zu erstellen.  

Kreativität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind drei Qualitäten, die für uns alle wirklich wichtig sein werden, um dies zu überstehen

Wie passt ihr also euer Umfeld daran an? Einige von euch werden Schwierigkeiten damit haben, denn im Moment stehen zum Beispiel keine Schwimmbäder zur Verfügung. Mountainbiker können wiederum immer noch in die Berge fahren, während andere Sportler bei Amazon Hürden bestellen und versuchen, von zu Hause aus zu trainieren. Dies ist eine Zeit für uns alle, unseren Geist zu erweitern, kreativ zu sein, online zu recherchieren und mit Freunden zu sprechen, damit wir gute Ideen erhalten. Die Möglichkeiten der Kreativität sind unendlich. 

Schaut euch unseren Artikel zur Entrümpelung an, um sowohl physisch als auch mental Platz zu sparen.

Findet das richtige Gleichgewicht in den sozialen Netzwerken 

Ich denke, zu Beginn dieser Pandemie waren die Menschen mit der Menge an Informationen, die ihnen zugesandt wurde, einfach überfordert. Doch ich denke, jetzt ist es an der Zeit, eine kleine Pause einzulegen und bewusst zu wählen, welche Plattformen und Informationsquellen hilfreich und zuträglich sind.  

Wöchentlich finden Webinare statt und es gibt bei Zoom Kaffeepausen-Drop-Ins, an denen ihr jederzeit teilnehmen könnt. Hier könnt ihr über alles reden, was euch auf dem Herzen liegt. Sucht auch nach Online-Workouts, denen ihr folgen könnt, und Vorschlägen, die hilfreich für euch sind. Versucht aber, euch eine Weile von eurem Handy oder von den Nachrichten fernzuhalten, damit ihr erst einmal zu euch findet und euch mit eurem neuen Tagesablauf und eurem Umfeld anfreundet.  

Da dies vorerst die neue Realität ist, müssen wir in der Lage sein, damit umzugehen und nach vorne zu blicken, um somit die Angst insgesamt zu verringern. 

Um die Ratschläge der Sportmedizinexpertin Dr. Jane Thornton für Athleten zu lesen, wie sie diese beispiellose Situation positiv gestalten können, klickt ihr hier.